|
Zu "Rock Poems"
Steffi: Dein Mysterium zeigt mir einerseits die unglaubliche Schönheit der Natur, die Weite des Universums spürbar, allgegenwärtig. Ich kann Deinen Tagesausklang sehen.
Genau in diesem Moment, der Ausblick vom Dach eines Hochhauses, vom Gipfel eines Berges, vom Fels in der Brandung oder von der obersten Plattform eines Leuchtturmes aus. Dieser Text atmet die ungestüme Kraft des Lebens aus jeder Pore, jeder Zeile. Der Gegensatz dazu, die Erkenntnis nur ein winziger Teil in Mitten dieser geballten Ladung Lebensfreude zu sein.
Plötzlich nicht Mittelpunkt des Seins, sondern verschmelzend zu einem Ganzen. Harmonie in höchster Vollendung. Diese Mitgift des Lebens als etwas Einzigartiges und Unwiederbringliches zu begreifen, zu bewahren und zu schützen bis zur letzten Konsequenz, DAS ist es. Tag für Tag, Dämmerung für Dämmerung, Herzschlag für Herzschlag, Träne für Träne.
LeVampyre aus Berlin: Sie schreiben im Grundgedanken philosophische Texte, die den Leser dazu anregen sollen, über sich und seine Existenz zu reflektieren. Sie sollen den Leser also anregen, Sie erwarten von ihm, dass er seinen Geist anstrenge und über das nachdenke, was er liest. Zugleich schreiben Sie aber "leicht zugänglich". Das erscheint mir wie eine Floskel, eine Farce, besonders wenn man eine Leserschaft ansprechen will, für die die reflektierende Auseinandersetzung mit sich und ihrer Umwelt zum Leben dazu gehört. Leicht zugänglich sind doch Räume, deren Türen zu öffnen keine Mühe macht. Wie tiefsinnig kann ein Raum sein, welche Horizonte kann er einem eröffnen, wenn ihn zu betreten keine Herausforderung war? Andererseits sind immer weniger Menschen heutzutage fähig, bzw. überhaupt gewillt, auch kleinste Herausforderungen zu bewältigen, denn in einer Welt, in der immer alles "leicht zugänglich" war, hat man nicht gelernt, sich zu bewähren.
A.Sternowski: Wenn der Raum schwer zu finden ist und für die meisten sogar unsichtbar, dann wieso noch Hürden aufbauen, wieso noch die Tür verschließen. Ich glaube nicht, dass meine Räume zu viele Menschen betreten werden, auch wenn ich die Tür breit offen gelassen habe.
Marcus aus Karlsruhe: Menschen leben einen Tag nach dem anderen. Dass das Leben dabei unwiederbringlich vergeht, merken sie nur selten, z.B. am Jahresende. Ich schließe mich da auch nicht aus. Aber trotzdem versuche ich etwas, was wiegt, was bleibt, in mir einzusammeln. So dass ich zum Neujahr etwas habe außer der vergangenen Zeit. Es gibt in Rock Poems ein unscheinbares Gedicht: "Blick über den Zaun", das sich scheinbar mit Gänsen beschäftigt, die man auf einem Spaziergang durch ein Dorf treffen kann. Du kannst dem Blick eines "simplen", von Tag zu Tag lebenden Menschen, vielleicht eines Verlierers, nicht standhalten. Es kann auch ein Blick aus der Tiefe unseres eigenen Schicksals sein...
A.Sternowski: Ich beobachte, ich beurteile nicht. Und ich fühle mit. Und ich versuche ebenso Augenblicke einzusammeln, "...sie füllen meine Taschen wie Murmeln..."
Daniela aus den Nähe von Hamburg: Dein Buch ist für mich, sehr wichtig geworden. Ich habe es mittlerweile 14 mal durchgelesen, und kann fast jedes Gedicht auswendig. Mir ging es nicht darum das geschriebene auswendig zu lernen, ich war nur "süchtig" könnte man fast schon sagen. Ich liebe deinen Schreibstil. Eine gute Erklärung hab ich dafür nicht. "Erkenntnis" und "Traum" sind wohl die besten Gedichte die ich jemals gelesen habe(das ist mein voller Ernst), weil deren Sätze mir so bekannt vorkommen und ich mich mit ihnen identifizieren kann.
A.Sternowski: Warum -denkst Du- brauchen Menschen Poesie? Warum hast Du die Texte so oft gelesen? Sind es die Worte, die Dir bekannt vorkommen? Oder sind es die Gedanken, Fragen, Gefühle...?
Mark aus Dortmund: Deine Gedichte sind gut. Sie gefallen mir, sogar sehr. Aber ich sehe ein kleines Defizit (bei den meisten, nicht bei allen) in der Form. Wenn ich an ein vollkommenes Gedicht denke, dann denke ich auch und vor allem an eine vollkommene Form, an Rhythmus der Verse, an Knappheit der Sprache. Manche sind mir etwas zu "prosaisch". Deine Texte sind wirklich bemerkenswert, viele von ihnen sehr schön, aber wenn du mehr an ihrer Form gearbeitet hättest, wären sie groß.
A.Sternowski: Deine Kritik trifft zu. Beim Schreiben war mir tatsächlich der Inhalt wichtiger als die Form. Warum? Weil es so viel sprachlich, formal gut gestalteter Poesie gibt, deren Inhalt mich überhaupt nicht berührt. Lyrik arbeitet mit Worten und Worte sind dazu da, um etwas zu sagen. Poesie ist keine Malerei und keine Musik. Allerdings, wenn ich mir ein vollkommenes Gedicht vorstelle oder in Erinnerung rufe (zwei, drei solche Gedichte könnte ich nennen), dann sehe ich einen menschlich wichtigen, rührenden Inhalt (meistens sind das doch Gefühle) in Worte gefasst, die so verdichtet, auf das absolut Wesentliche reduziert sind und die so fließen und so klingen, dass sie direkt ins Herz gehen. Ja, auf dem Weg zu den wirklich großen Gedichten habe ich noch den einen oder anderen Schritt zu gehen. Danke für deine Kritik.
oben
|
|
 |
|