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Zu Lyrik
LeVampyre aus Berlin: Sie sagen, Ihnen käme es beim Schreiben in erster Linie auf die Inhalte an. Ich glaube, dass der Inhalt nur eine Seite der Medaille ist und dass man der Dichtung unrecht tut, wenn man sie allein darauf beschränkt.

A.Sternowski: Es gibt zwei Seiten jedes künstlerischen Werkes, den Inhalt und die Form, und beide sind wichtig. Und ein ideales Gedicht ist im perfekten Gleichgewicht – eine absolute Seltenheit. Natürlich streben wir dieses Ideal an. Wenn ich sage, dass mir der Inhalt, die Tiefe des Gedanken, des Gefühles (vergessen Sie die Gefühle nicht!) wichtiger ist, meine ich, dass ich mich von dieser Seite dem Ideal zu nähren versuche. Weil ich dann, wenn ich mein Ziel nicht erreiche (natürlich erreiche ich es nicht), dem Leser mehr schenke, mehr davon, was für mich wichtig ist und was für ihn vielleicht wichtig sein könnte.
Jan aus Bochum: Ich versuche selbst ein bisschen Gedichte zu schreiben. Es erscheint mir sehr natürlich und notwendig, meine Gefühle in der knappen, konzentrierten Form eines Gedichts zu beschreiben. Warum also lesen so wenige Gedichtbände? Ist das vielleicht so, dass Menschen viel öfter lyrische Texte schreiben als lesen?
A.Sternowski: Das kann zutreffen. Der Drang, seine Gefühle irgendwie für andere sichtbar zum Ausdruck zu bringen, ist sehr menschlich. Es hilft sicher auch sie zu verarbeiten. Es geht dabei allerdings um die eigenen Gefühle und nicht die der anderen.
Mit Poesie ist es letztendlich nicht anders, als mit jeder anderen Kunst: ob geschrieben, gespielt oder gemalt. Es gibt ein großer, sehr großer Teil der Kunst, der das Bedürfnis nach Ablenkung, Belustigung, Dekoration usw. adressiert. Lyrik ist heute kaum die geeignete Form, um diesen Bereich erfolgreich zu bedienen.
Es gibt auch das Phänomen der Hässlichkeit. Es scheint, dass es in Menschen auch eine Neigung zum Hässlichen (Geschmacklosen, Anarchistischen, zum Schmerz...) gibt. Hier kann sich Lyrik durchaus behaupten, obwohl sie im Vergleich zur, beispielsweise, bildenden Kunst eine geringere Chance auf die Aufmerksamkeit des Publikum hat.
Zuletzt gibt es natürlich auch das Bedürfnis, sich mit dem Kern des Menschenseins zu beschäftigen: z. B. Fragen nach dem Sinn der eigenen Existenz zu stellen oder die Tiefe der menschlichen Seele zu erkunden. Aber mal ehrlich: wie viele Stunden täglich stellst du dir solche Fragen, so im Durchschnitt? Dazu kommt noch, dass ein Musikstück oder ein guter Film sich doch viel direkter den Zugang zu unserer Seele verschafft als Worte. Kann ein Gedicht dafür tiefer eindringen oder sich sogar dort einnisten? Die alle besten vielleicht...
Aber sich auf die Suche nach einem solchen Gedicht zu machen, bedarf schon eine Menge Idealismus. Vielleicht ist der Mangel an Idealismus der Grund dafür, dass Lyrik heute so wenig gelesen wird...

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