|
plaudern...
Doreen Hoffmann aus Zeesen: Das Buch ist eine wunderbare Sammlung von Gedankenbildern, Metaphern und Gefühlen, in die man richtig versinken kann... Was ich geschrieben habe, ist wie eine Art Hommage an das ganze Buch, weil ich mich nicht für ein Gedicht hätte entscheiden können. Sie alle haben mich inspiriert, jedes auf seine Weise. Ich glaube, dass im tiefsten Inneren sich alle Menschen öffnen wollen, auch wenn es bei manchen schwerer ist, Masken, Hüllen und Schutzmauern zu durchbrechen.
A.Sternowski: Oft sind die Mauern nicht mal gewollt: sie sind eine Reaktion auf die eigene Unsicherheit, eine Abwehrreaktion. Ich halte mich für einem sehr offenen und direkten Menschen und denke, dass ich es schon immer so war. Aber wenn ich zurückblicke, dann sehe ich doch, dass ich in meiner Jugend etwas, sagen wir, zu sehr auf mich konzentriert war. Es ist ein natürlicher Zustand, wenn man sich mit wenig Lebenserfahrung der großen Welt gegenüber positionieren muss. Aus diesem Zustand heraus gibt es zwei Wege. Der eine führt zu einem selbstbewussten, kompakten Charakter, zu einem Menschen, der wirklich offen auf die anderen, auf die Welt ist. Es ist ein langer Weg, aber sehr interessant. Viele gehen trotzdem den anderen Weg.
Mariska Ott aus Konstanz: Besonders spannend war letzte Woche die Diskussion über das Unwort des Jahres: "Humankapital". In den Wirtschaftswissenschaften ist dies tatsächlich seit langem ein gängiger Begriff, der zum Ausdruck bringen möchte, dass die Arbeitskraft des Menschen einen messbaren Wert in der Wirtschaft darstellt. Umstritten scheint auch, welche Art von Arbeit messbar ist. Gehört da Literatur auch dazu? Geschichte? Ethik?
A.Sternowski: Es ist wirklich eine Unzulänglichkeit, ein struktureller Fehler unserer Gesellschaft, dass sie die nicht messbare Leistung eines Kulturschaffenden oder eines Erziehers nicht angemessen belohnt. Genauso wie ein struktureller Fehler der Demokratie ist, dass sie den Durchschnitt, die Masse ins Zentrum stellt und damit das wirklich Wertvolle nicht unterstützt. Zum Glück ist bei manchen Menschen der Drang zu Schönheit, zum Guten, zum Wertvollen so stark, dass sie es trotzdem anstreben, auch wenn sie dafür keinen gerechten Lohn bekommen. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass man das, was wirklich wertvoll ist, nicht kaufen kann. Ich füge dem noch zu: was alle denken oder besitzen kann nicht vom wirklichen Wert sein. Ist das elitäres denken? Ja. Das Elitäre entsteht allerdings nicht aus Überheblichkeit (das wäre Dummheit) sondern aus dem aufrichtigen Streben nach Wahrheit und Schönheit.
Mariska Ott aus Konstanz: Ich habe Menschen kennen gelernt, die den Begriff der "Elite" mit dem der "Arroganz" verwechseln. Wichtig meines Erachtens bei diesem Begriff ist, dass eine Elite Teil einer Gesellschaft sein muss, denn ohne Gesellschaft kann es auch keine Elite geben. Daher hängt für mich der Begriff "Elite" auch sehr stark mit dem Begriff der "Verantwortung" zusammen. Was ist Verantwortung? Nicht Machtstreben, nicht Ansehen, nicht Geld sondern das aufrichtige Gefühl, etwas bewegen zu können, der aufrichtige Drang, sich selbst weiter zu bringen und damit auch andere weiterbringen zu können. Ich glaube in deinem Gedicht (Mein Mysterium) sprichst du einen ganz wichtigen Gedanken an: wir stehen auf einem Krümel Materie und sind auch selbst winzig klein, ein kleiner Teil eines sehr viel größeren Ganzen. Ich glaube, es ist wichtig, sich das hin und wieder bewusst zu machen, um sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Auch eine Elite ist nur ein kleiner Teil eines sehr viel größeren Ganzen.
A.Sternowski: Elitär, Elite. Es sind schwierige Themen, aber von entscheidender Bedeutung. Mir geht es darum, dass man nicht so wie alle denkt oder handelt, sondern die Selbstsicherheit und den Mut hat, anders, eigenständig, so wie er es für richtig hält zu leben, andere, neue Wege zu gehen. Ich verbinde damit auch so etwas wie Stil und guten Geschmack. Unsere Gesellschaft braucht solche elitäre Menschen, mehr als diejenigen, die sich damit, was man ihnen sagt und was meistens banal oder seicht ist, abfinden. Ja, das hat etwas mit der Schönheit und Wahrheit zu tun. Was ist Stil? Hier gilt wieder die gleiche Regel: jemand mit Stil denkt nicht daran, wie er sich benehmen soll oder was die anderen von ihm denken. Er ist einfach so wie er ist, er ist mit sich selbst einig und braucht sich nicht gegen die Anderen zu definieren. Was Stil ist, habe ich mal als ein sehr junger Journalist verstanden. Ich ging, um ein kurzes Interview mit Prinz Charles zu machen und habe ihn in einem Stall beobachtet, wie er mit einfachen Stallburschen über die Pferde gesprochen hat: genauso wie er mit einem Präsident redet. Er hatte sich kein bisschen als "etwas Besseres" aufgeführt. Sei also elitär, rede aber nicht darüber.
oben
|
|
|
|