Aktuelles:

Wettbewerb:
Der Wettbewerb "Rock Poems - Dialog" ist abgeschlossen. Aus ca. 700 Einsendungen wurde das Gedicht"Rubine"vonSimon M. Jonasausgewählt.
Es waren vorwiegend Gedichte. Das literarische Niveau, wie immer bei solchen Ausschreibungen, war sehr unterschiedlich. Die interessantesten Texte werden
untenzitiert. Was allerdings wichtiger ist, der Wettbewerb wurde von vielen dazu genutzt, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Die Idee also, dass in der heutigen, von den neuen Medien dominierten Welt, ein tiefsinniger Gedankenaustausch in schriftlicher Form für die Leser besonders interessant sei, war richtig. Die Dialoge und die die Einsendungen begleitenden E-Mails machen es außerdem deutlich, dass die Texte des Buches die Leser zu einer sehr persönlichen Reflexion angeregt haben. Das freut den Autor sehr. Er hofft, dass seine Gedichte (wie von nicht wenigen beschworen) als Teil des intellektuellen Schatzes und der eigenen Empfindung einigen Lesern auf Dauer erhalten bleiben.
Danke an alle Teilnehmer.
Ihr Andreas Sternowski.

www.rockpoems.de im Gespräch mit dem Laureaten

- Welche Bedeutung messen Sie diesem Preis bei?
Simon M. Jonas: Da es sich um meinen ersten Literaturpreis handelt, messe ich ihm große Bedeutung bei und freue mich wie ein Kind zu Weihnachten. Der Akt des Schreibens wird im Idealfall einzig von fast schon triebhafter Lust am Wort und nicht von potentiellen Preisen angetrieben, doch Bestätigung jeder Form erhöht die kreative Befriedigung ungemein.
- Wie beurteilen Sie den Gedichtband "Rock Poems"?
Simon M. Jonas: Lyrik hat bekanntlich für viele einen schlechten Ruf:
sie ist von Spinnweben umwoben, von Erinnerungen an ungewolltes Auswendiglernen in der Schule, von zwanghafter Analyse und einer Literaturwissenschaft, deren Schwerpunkt auf der Wissenschaft und nicht auf der Literatur liegt. "Rock Poems" öffnen das Fenster, der Durchzug weht die Spinnweben hinaus und man hat das befreiende Gefühl frischer Luft. So wie ein Rocksong die Stimmung nach zu allzu langer Stille erhöht. Das Ziel eines Gedichtes, nämlich möglichst aussagekräftig und kompakt ein ganzes Universum mit wenigen Worten zu fassen, wird hier erfrischend klar und mit erfreulich wenigen Schnörkeln erreicht. Der Kunstgriff des wiederholten "A." für das lyrische Ich gibt den Texten in jeder Hinsicht Persönlichkeit und schafft dennoch immer wieder die nötige Autorendistanz.

- Welchen der Texte aus dem Buch finden Sie besonders interessant?
Simon M. Jonas: Die Favoritenfrage ist natürlich schwer zu beantworten, weil das bestimmte Thema eines bestimmten Gedichtes oder Kunstwerkes auch von den wechselnden Stimmungen des Lesers, Betrachtenden bzw. Zuhörers abhängig ist. Ich lebe in Tirol, wo Erotik durch den konservativen Einfluß aus Politik und Kirche noch immer von einem peinlichen "Darüber reden wir nicht" - Mantel umhüllt ist. Deshalb würde ich sagen, daß der Abschnitt "Erotika" für meinen Geschmack am bemerkenswertesten ist, was mich auch in gewisser Hinsicht zu meinen "Rubinen" inspiriert hat.
- Beobachten Sie eine Kommerzialisierung des literarischen und des künstlerischen Betriebs?
Simon M. Jonas: Ja, denn viele Autoren sind durch die Notwendigkeit des kommerziellen Erfolgs dazu gezwungen, ihre Authenzitität oder gar ihr ganzes kreatives Schaffen zugunsten des profanen Gelderwerbs aufzugeben. Für die einen ist das vielleicht ordinärer Realismus; für die anderen - und hier zähle ich mich dazu - ist diese Entwicklung nur ein Beweis dafür, daß unserer Kultur des Öfteren sehr viel Potential verloren geht.
Projekte wie der "Rock-Poems"-Dialog sind deshalb wichtige und inspirierende Impulse, die den künstlerischen Betrieb nicht nur wegen der betriebswirtschaftlichen, sondern primär wegen der künstlerischen Aspekte am Leben erhalten wollen.

- Welche literarischen Pläne haben Sie?
Simon M. Jonas: Momentan arbeite ich am letzten Feinschliff meines ersten Romanmanuskripts und mache mich auch bereits auf die Suche nach einem passenden Verlag. Für einen Gedichtband habe ich inzwischen mehr als ausreichend viele Gedichte in der sprichwörtlichen Schublade; auch ein Erzählband wird sich wohl bald ausgehen. Mal schauen, wie erfolgreich ich in Sachen Verlagssuche sein werde. Der primäre Plan ist natürlich so bald wie möglich vom Schreiben leben zu können. Bis dahin will ich versuchen mich über Wasser zu halten und meine Lyrik, Kurzgeschichten und mein Talent als Romancier wie Edelsteine zu schleifen.

Die besten Gedichte des Wettbewerbs

Simon M. Jonas, Innsbruck: Rubine

Das Messer trennt die
Zeit in vor und nach
dir. Faser für
Faser spaltet sich
mein Fleisch. Spaltet
sich auf in dich
und dich.

Solange, bis
ich Rubine in der
Hand halte.

Ich schaue den Steinen
in die Augen.

Deine Augen.

Ich lecke die
Steine auf. Mich
dürstet nach
dir.


Ulf Großmann, Dresden: Großstadtstraßen

in den Straßenblicken
auf dem Nachhauseweg
der zu oft gabelt
um heim zu führen
zu bucklig zum Trösten ist
Lächeln vor mich malt
im Schaufenster
weichgezeichnete Züge
die nicht entgleisen
wenn ich mich nähere
sind sie doch weg
ich füge mich
wieder der Straße
die weiter treibt
zu dem Münzenhut
unter dem Beinstumpf
der nicht auftritt
ob Mine, Unfall, abgebunden
die eigene Münze
ein Ein-Euro-Ersatzbein
klimpert mich weiter
zu der Rothaarigen
wo ich mich
in Gedanken anbiete
die Tristesse
vom Gesicht zu lecken
sie steigt in das Auto
erzählt
mir vielleicht Unglück
ein leichtes Mädchen zu schwer
wie meine Beine
die mich doch
nach Hause bringen
wo auch nichts wartet
ein Spiegelbild


Ina Alexandra Machura, Wetzlar: Familienbande

Wenn ich mich losrisse
Von euch
Von euren kosend verwachsenden Hoffnungen,
Müsstet ihr nicht wie ich
Verbluten an diesen Wunden
Wie der Efeu zerreißt,
Den man vom Stamm trennt ?

Wenn ich mich freimachte
Von euch
Von euren innig klammernden Banden,
Müsstet ihr nicht wie ich
Zu Boden stürzen
Wie die Marionette,
Deren Fäden man durchschnitten hat ?

Wenn ich mich entfernte
Von euch
Von euren liebevoll versteinernden Bahnen
Müsstet ihr nicht wie ich
Kollidieren oder verglühen
Wie ein Meteorit,
Unaufhaltsam in unserer Atmosphäre ?

Der Frühling findet andere Blumenkelche
Um seine Energie hineinzugießen.
Auf der Bühne fließen von nun an echte,
Menschliche Tränen.
Kontakte treffen sich erneut.
Akzeptanz lächelt bescheiden.

Und ich tanze
Mich.


Ina Alexandra Machura, Wetzlar: Phönix

Ich spürte
Ich schrie
Ich litt
um die Kristalle meiner Selbst
Suchte sie in meiner Brust, meinem Bauch, meinem Kopf
mit blutigen Händen
Liebkoste sie in Gedanken, in Träumen
mit Federfingern
Wollte sie zerschmettern - wissentlich und bewusstlos
Flehte Ewigkeiten um ihr Glänzen
unter der schwarzen Mondscheibe
Lehnte an den Spiegelungen fremder Kristalle, eisig
Um meine schmutzigen Fingerabdrücke beschämt.

Plötzlich
Streifen mich klingende Phönixflügel

Und ich finde
Sonne unter meinen Fingernägeln.


Xenia Diaz Orejarena, München: 3 Skizzen:

Zeichnung mit dem Meer


Muss zu viel an das Meer denken.
Licht rieselt aufs Wasser,
kräuselt sich auf den Wellen,
an die ich mich schmiege.

Glück ist ein guter Zeichner.


Drohung


Ich liege auf dem Rücken,
starre in den Himmel,
habe keine Lust mehr, den Mond anzuheulen
und denke an Mord durch eine Auftragswolke.


Zustände und Folgen


Es schneit.
Gestern hatte es noch geregnet.
Heute liegen erfrorene Regenwürmer im Rinnstein.

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Infos rund um das Buch:
Die Jury des Wettbewerbes der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte hat das GedichtErkenntnismit Aufnahme in die Antologie des Jahres 2004 ausgezeichnet.
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Kalender:


Oktober 2006: erste Ausgabe der kulturellen Zeitschrift "Kunst & Wort"


Mai 2006: Start des Rock Poems Poesie-Forums


Januar bis August 2005: Andreas Sternowski hat einen offenen Wettbewerb zum Thema Rock Poems-Dialog ausgeschrieben. Ernsthaft geführter Dialog ist für Schaffende immer befruchtend. Er kann auch spannend und bewegend sein und die Gesprächspartner in neue geistige und ästhetische Landschaften führen.
Leser wuren eingeladen, ein Gedicht oder einen kurzen Prosatext zu schreiben. Ihr Text sollte von einem der Texte der "Rock Poems" inspiriert oder im Dialog mit ihm entstanden sein.
Der erste Preis war mit 500,- € dotiert.
Teilnahmebedingungen waren:
"Mit der Einreichung eines Textes erkennen die Autorinnen und Autoren die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs an.
Ausdrücklich erklären sie,
- dass sie ihren Text selbständig verfasst haben,
- dass sie keine Texte anderer Autoren übernommen oder bewusst nachahmend in ihren Beitrag eingebaut haben (ausgenommen ist der Bezug auf die Texte von Andreas Sternowski),
- dass die Rechte an dem eingereichten Text ausschließlich bei ihnen liegen (Texte dürfen aber bereits in anderen Projekten veröffentlicht worden sein),
- dass sie mit der Veröffentlichung ihres Beitrags ohne Honorar einverstanden sind. Sie behalten ansonsten alle Rechte an ihren Texten. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen."



3-4.Juli 2004: Düsseldorf, Rheinuferpromenade, Lyrischer Meilenstein auf der Düsseldorfer Büchermeile: Andreas Sternowski liest aus seinem Buch "Rock Poems".


25-28.März 2004: das Buch wird auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt.


März 2004: Veröffentlichung des Gedichtbandes "Rock Poems" von Andreas Sternowski.

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